Demokratie vor der Haustür

Bildung.
Lokale Politik bleibt im Unterricht auf der Strecke. Abhilfe soll ein Projekt schaffen, das die Unesco-Schule anbietet.

Ist es nun ein Fußgängerüberweg oder ist es keiner? Offensichtlich scheinen sich auch Autofahrer und Fußgänger unschlüssig zu sein: Die Fontänengasse an der Ecke Kettwiger Straße ist zwar ähnlich wie ein Übergang überbaut, doch an der Straße endet die Fußgängerzone, das weisen die Schilder aus. Neun Schülerinnen und Schüler des Unesco-Schule setzen sich im Rahmen des „Demokratieführerscheins“ mit diesem Thema auseinander. Dass die Entscheidung zugunsten dieser Problematik fiel, war nicht unumstritten – mit fünf zu vier Stimmen. Denkbar knapp.

Im Rahmen des Projekts sollen die Schüler der 10. Klassen Gelegenheit haben, die Lokalpolitik besser kennen zu lernen. Denn im Rahmen des Politik-Unterrichts ist die Zeit – bei zwei Schulstunden in der Woche – äußerst knapp: „Die Kommunalpolitik kommt schlecht weg“, sagt Norbert Kleine-Möllhoff, Leiter der Unesco-Schule, in Bezug auf den engen Lehrplan. In Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Volkshochschulen ist ein Projekt entstanden, das zehn Termine umfasst. Dabei soll Politik vor allem praxisnah vermittelt werden.

Durch das Projekt soll zugleich eine „Blaupause“ für ähnliche Projekte entstehen, sagt Günter Hinken, Fachbereichsleiter Politik an der Volkshochschule. Zudem gilt es, der „Politikverdrossenheit von Jugendlichen“ entgegenzuwirken, so Hinken.

Auch wenn die Eindrücke von einem Besuch beim Landtag weniger gut waren, sind die Schüler zuversichtlich, dass sie im Falle der Verkehrsproblems an der Kettwiger auf offene Ohren stoßen. Yara Hussein hat einen Fragebogen für Passanten entwickelt, außerdem wollen die Schüler nachhorchen: beim Verkehrsamt, bei der Polizei. Carolin Breu und Sarah Schwarz sind guter Dinge, dass sie etwas bewegen können.

von Carsten Hein, NRZ

Jugend wirkt aktiv mit

Neun Schüler der Unesco-Schule machen den Demokratieführerschein und verschaffen sich durch eine Projektarbeit Einblicke in die Politik

Wie funktioniert Politik? Und vor allem: Wie können meine Interessen vertreten werden? Mit diesen Fragen setzen sich momentan neun Schüler der zehnten Jahrgangsstufe der Unesco-Schule während des Projektes „Mitmischen in deiner Stadt! – Der Demokratieführerschein für Essener Jugendliche“ auseinander.

Die Landeszentrale für politische Bildung hat dieses Pilotprojekt gemeinsam mit der Volkshochschule entwickelt und möchte damit Jugendliche näher an die Kommunalpolitik heranführen. Ziel ist es, dem politischen Desinteresse der Jugendlichen sowohl praktisch al auch theoretisch entgegenzuwirken.

„Schüler denken oft, dass Politik immer sofort eine Lösung hat. Dass es aber zuvor bestimmter Abstimmungsprozesse bedarf, solen sie bei diesem Projekt lernen“, sagt Unesco-Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff, der dieses Projekt für eine sehr gute Ergänzung zum Unterricht hält.

Um den „Demokratieführerschein“ zu erhalten, müssen die Schüler neben der Verfolgung eines konkreten Praxisproblems, das sie sich selbst ausgesucht haben, am Ende des Projektes im Dezember auch noch einen kleinen Test bestehen. „Sie bekommen dann ein Zertifikat ausgehändigt, das sie später für ihre Bewerbungsunterlagen verwenden können“, erklärt Günter Hinken von der VHS.

Die neun Schüler der Unesco-Schule, die sich dem Projekt alle freiwillig angeschlossen haben, haben sich das Thema „Verkehrssicherheit“ ausgesucht. Ein Zebrastreifen soll her und Fußgängern an Viehofer Straße / Fontänengasse mehr Sicherheit bieten. „Denn das ist dort eine sehr gefährliche Stelle für Schüler auf ihrem Schulweg“, sagt Yara Hussein, Projektteilnehmerin. Jetzt heißt es: mit Ämtern und Verwaltungen telefonieren sowie Umfragen starten, denn: „Wir wollen ja was erreichen“, erklärt die 16-jährige Sarah Schwarz.

Von Katharina Paris, WAZ


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